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Das Abenteuer I

Ein Bote am Ziel

Ich bin einfach fertig. Nach einem Gewaltritt von über 20 Meilen ist auch mein Pferd am Ende. Aber diese Nachricht muß ihren Empfänger erreichen bevor es zu spät ist...!

Endlich tauchen vor mir die Mauern der Stadt Thame auf. Hier soll er zuletzt gesehen worden sein. Das sagte mir zumindest einer der Bauern aus der Gegend von Twineward, die ich nach ihm fragte. Der Adressat des Briefes, den ich zu überbringen habe ist der junge Syre up Alasdell, der es sich in den Kopf gesetzt hatte, in die Welt hinaus ziehen zu müssen - naja, wenn er meint.....
Oh - Entschuldigung! Ich habe ja ganz vergessen, mich selbst vorzustellen. Mein Name ist Alasdair MacLeod, Führer der Reiterei des Herrn MacLachlan Syre up Alasdell. Ich habe eine wichtige Nachricht an den Erben des Clans der MacLachlan zu überbringen. Stimmt es, daß er hier in diesem zwielichtigen Schuppen - wie hieß der noch... “Zum einbeinigen Kobold” ? ... Quartier bezogen hat? Bei Irindar! Hat er sich denn nichts besseres suchen können als diese billige Kneipe!? Was soll’s! Ich muß da hin.

Der Wachposten wirft mir einen geringschätzigen Blick zu, mustert mich von oben bis unten und kommt wohl zu dem Schluß, daß ich, mit meinem erschöpften Pferd und von oben bis unten mit Staub und Dreck bedeckt, wohl auch zum niederen Gesindel gehöre, das sich dort herumtreibt.
Zwei Straßen vom östlichen Stadttor entfernt, direkt am Amber, steht das Haus.
Ein altes Gebäude, das wohl einmal ein Lagerhaus gewesen sein muß. Zur Schankstube hin sind einfache, gelblich beschlagene Fenster in den Rahmen. Im Obergeschoß zieren Butzenfensterscheiben die kleinen Fensterhöhlen, hinter denen sich die Quartiere befinden.

Als ich die Tür aufstoße schlägt mir eine Mischung aus billigem Alkohol, Pfeifenqualm und Essensdunst entgegen. In dem großen Schanksaal, der durch Säulen geteilt wird, die das Gewölbe tragen, sind schwere stabile Tische und Stühle verteilt, an denen sich bereits eine ganze Menge Gestalten versammelt haben und billigem Bier zusprechen. Es soll das einzige sein, was hier einigermaßen genießbar ist. Die Weine und Whiskys sollte man lieber erst dann probieren, wenn man schon zu voll ist, um noch etwas zu schmecken...

Ich bleibe einen Moment in der Tür stehen um mich zu orientieren. Ein paar Gesichter drehen sich neugierig zu mir. Ein älterer Albai, der an einem der Tische nahe an der Türe sitzt, wirft mir einen fragenden Blick zu, nachdem er erkannt hatte, daß sich unter dem Staub der Landstraße die Farben des Clans der MacLachlan verstecken. Er nickt mir zu und deutet zur die Theke, hinter der ich den Wirt erkenne.

»Hat bei Euch ein Mann namens MacLachlan Quartier bezogen?«

»Allerdings! Er sitzt dort hinten an dem Tisch!« Und er deutet auf einen der Tische, die in Nischen an der Längswand stehen.

Ich bahne mir einen Weg zwischen den Tischen hindurch zur Wandnische.

»Ist unter Euch der junge MacLachlan, Syre up Alasdell?« frage ich in die Runde.

»Ja, ich!« brummt es aus einer Ecke der Nische. Ein kräftig gebauter junger Mann beugt sich vor über den Tisch und mustert mich mit kritischem Blick.
Ja. Das ist er. Auch wenn ich ihn schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen habe. Die gleiche hohe Stirn und derselbe wache Blick, den sein Vater früher auszeichnete...

»Beweist, daß Ihr der seid, der Ihr angebt zu sein!«

Mit einer ruhigen Bewegung dreht er an seinem Siegelring und hält ihn mir entgegen: Die Oberseite des silbernen Rings ziert das Wappen der MacLachlans.

Ich greife in das Innenfutter meines Wamses und ziehe einen gefalteten Brief hervor.

»Ich bin Alasdair MacLeod und komme als Bote Eures Vaters, des Syre up Alasdell, zu Euch. Ich habe eine wichtige Nachricht an Euch zu überbringen.«
Und überreiche ihm den Brief.

Ein verwundertes Raunen erklingt von den übrigen am Tisch sitzenden Personen. Und jetzt erst bemerke ich, in welcher Gesellschaft sich der Jüngling befindet!
Rechts von ihm sitzt ein Zwerg, oder besser - ein Zwergenpriester, denn das ist unverkennbar an seiner Kleidung abzulesen. Der breite Dolch, der an seinem Gürtel hängt und sein grimmiger Blick zeigt mir aber, daß mit diesem frommen Mann wohl nicht immer gut Kirschen essen ist.
Zu seiner Linken sitzt eine hübsche Frau in den weiten Mantel eines Magiernovizen gehüllt. Die zurückgeschlagene Kapuze läßt ihre blonden Haare noch heller glänzen.
Und da sehe ich es: die spitzen Ohren und die helle Hautfarbe - eine Elfenmagierin!
Daneben sitzt eine weitere Frau - noch eine Priesterin.

Na, eine bunte Gesellschaft, die er sich da gesucht hat. Naja, besser als wenn ich ihn zwischen Raufbolden und Tagedieben gefunden hätte!

Mit einem erstaunten Blick nimmt der junge Edelmann den Brief entgegen.
Mit einem Blick und einem Kopfnicken bedeutet er mir, daß ich mich entfernen darf und ich gehe zur Theke, um mit dem Wirt über ein Zimmer zu verhandeln.

Ich werfe noch einmal einen Blick zurück zu dem Tisch in der Wandnische.
Ja. Es wird nicht leicht für ihn werden, wenn er nach Alasdell zurückkehrt. Der alte MacLachlan ist schon seit langem geistig verwirrt und es sieht so aus, wie wenn er nicht mehr lange leben würde. Es wird ein harter Weg werden.

Mit einem Ruck fahre ich aus meinen Gedanken als der Wirt mich anspricht:

»Ihr seht müde aus! Kommt, ich zeige Euch das Zimmer, dann könnt Ihr Euch von den Strapazen der Reise erholen.«

Wo er recht hat, hat er recht - ich bin wirklich müde und ein heißes Bad wäre jetzt genau das Richtige. Die Herzlichkeit des Wirtes überdeckt die Schmuddeligkeit seiner Kneipe und so habe ich eigentlich nicht viel dagegen, als er mich aus dem Schankraum schiebt und voran die Treppe nach oben geht.

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